Schweigen ist Silber

Reden ist ein anderes Edelmetall: Dies und das zum Reich der Fiktionen

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Martins Frage

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Für mich ist die interessanteste Frage an George RR Martins Zyklus A Song of Ice and Fire, an dessen 5. Band A Dance with Dragons ich gerade lese, wie sich eigentlich die Magie von Westeros erklärt. Im ersten Band hatte ich das Gefühl, dass es da eben so unheimliche untote Wesen gibt, aber der Rest ziemlich natürlich abläuft. Es passt zum zynischen Weltbild, das die Handlung vermittelt, wenn auch die Macht der Priester eher auf Ihrer weltlichen Position beruht. Aber dann taucht (Bd. 2? Bd. 3?) Melisandre neben King Stannis auf, die echte Magie zu besitzen scheint. Und auf einmal ist der Zyklus etwas in Schräglage geraten, denn die Einführung von Magie bedeutet immer, dass ein Schriftsteller sich nicht an die Regeln zu halten braucht, es sei denn, für die Magie werden selbst Regeln deutlich. Die einzige Regel, die ich bei Martin bisher erkennen kann, ist, dass Magie absolut selten ist. Aber das macht ja nur neugieriger darauf, was eigentlich deren Quelle ist.

Der 5. Band hat auch ein weiteres interessantes neues Moment dem Zyklus hinzugefügt; das ist der untote „Ranger“ Coldhand. Ich bin noch nicht weit genug in der Lektüre fortgeschritten, um zu wissen, ob seine Herkunft noch erläutert wird: Interessant ist Coldhand, weil er offenbar seine Persönlichkeit behalten hat, also etwas in ihm den Verwandlungsprozess, der aus Leichen Untote macht, über“lebt“ hat. Ist das die gleiche Art von Untotendasein, die der „Kiss of life“ an Catelyn produziert hat?

Die ganze Geschichte scheint darauf hinauslaufen zu wollen, dass Daenerys, wenn sie denn mal mit ihren Drachen in King’s Landing eingetroffen ist, sich der Bedrohung durch die „Other“ stellen muss. Und ob dies ein einigendes Moment ist, dass den Konfliktparteien hilft, ihre Differenzen zu überwinden, oder ob es einen Sieger geben muss. — Aber vermutlich unterschätze ich Martin mit dieser Spekulation.

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Written by redeni

Juli 28, 2011 at 20:44

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Am Fallen am Dransein: Malazan Books of the Fallen

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Bin am Ende des dritten Bandes von Steven Erikson — ist es clever, einen Zyklus ernst anzufangen, nachdem der letzte Band erschienen ist? Das lernt man eben aus George RR Martins Song of Ice and Fire und Philip Rothfuss‘ Kingkiller chronicles, was ansonsten jederzeit zu empfehlen wäre.

Was habe ich bisher gelernt über diese Welt? Der erste Band war nur verwirrend. Einzelfiguren, die in kleinen Szenen gezeigt werden, können Identifikationsfläche bieten und mir als Leser sympathisch sein, aber die Welt, in der sie handeln, ist räumlich und zeitlich unglaublich groß gestaltet. Daher habe ich mich beim Lesen mit den, wie soll ich sagen, Mikromotivationen zufriedengegeben, also dem, was die Figuren unmittelbar vorhaben, um der Geschichte zu folgen. Ohnehin krankt das Erzählen daran, dass alle Naselang eine neue Wesenheit mit göttlichen Kräften auftaucht und in das Geschehen eingreift, so dass man sich fragt, warum überhaupt Menschen sich die Mühe machen zu kämpfen, angesichts dieser übermächtigen Einzelwesen, aber auch angesichts dieser ebenso übermächtigen seltsamen Völker. Was sagt also der erste Band? „Du bist klein, Leser, und die Welt ist groß.“

Der zweite Band bringt zum ersten Mal das Konzept des Aufstiegs, „Ascendancy“. Also können Wesen in das Pantheon der Götter aufsteigen. Und offenbar gibt es ein paar, die das probieren. Wozu die „Häuser“ der Magie da sind, habe ich allerdings noch nicht begriffen. — Vom body count her könnte dieser Band außerdem noch sagen: Die Welt ist grausam.

Der dritte Band bringt, scheint mir bisher, drei Neuigkeiten: 1. Empress Laseen hat vielleicht doch das Gute der andern im Sinn — man hat sich ja schon gefragt, warum das Malazan Empire eigentlich in den Krieg zieht, also was es da zu gewinnen gibt. 2. Es gibt tatsächlich welche, die den Aufstieg schaffen. Allerdings ist Parans Rolle auch nicht sonderlich deutlich beschrieben; wie kommt es, dass ihm die Funktion zufällt, die Häuser neu zu besetzen? 3. Es gibt einen Obergegner (the Crippled God / The Chained One) und ein Oberproblem (Burns Krankheit).

Hat sich das Verwirrende des ersten Bandes gelegt? Naja; die 100.000ende von Jahren der Geschichte der Völker mit den Anführungsstrichen (z.B. T’lan Imass) scheinen ein bisschen Angeberei zu sein. Einige der Handelnden scheinen größere Motivationen zu haben. Aber warum in Band 1 Anomander Rake und die Malazans aneinandergeraten sind, ist mir nicht deutlich. Na, warten wir’s ab. Wobei ich mich jetzt wohl erstmal Martins A Dance with Dragons zuwenden werde.

Written by redeni

Juli 24, 2011 at 14:37

Veröffentlicht in Lesen und lesen lassen